Ich komme Freitag Nachmittag nach einer 35-Stundenwoche, die eigentlich eine 39-Stundenwoche war, nach Hause. Und dann? Jetzt geht es weiter... Wäsche waschen, aufhängen, legen, einräumen. Den Wochenendeinkauf habe ich zum Glück gleich auf dem Heimweg erledigt. Ach Mist! Kind 2 hat doch morgen eine Einladung zum Kindergeburtstag und es ist noch kein Geschenk besorgt. Wer fährt sie eigentlich dahin? Wir sind ja bei Kind 3 zum Flötenkonzert zur gleichen Zeit?! Und der Große meinte, er braucht dieses Wochenende dringend Hilfe bei dem großen Referat mit doppelter Benotung. Die letzte Note in dem Fach war schon nicht berauschend... Da bleibt wieder wenig Zeit für mich und den Sport, den ich mir schon ewig vorgenommen hatte. Und die Fenster sind auch noch nicht geputzt. Dabei muss ja Sonntag auch noch der Geburtstag des lieben Ehemannes gefeiert werden. Seine Mutter erwartet sicher selbstgebackenen Kuchen. Na hoffentlich hat er diesmal an die Getränke gedacht. Was wir zu Essen für SEINE Feier machen wollen, war bei ihm bislang keine Nachfrage wert! Es ist immer dasselbe. Und wenn ich dann Sonntag abend totmüde bin, bin ich wieder die Schlechtgelaunte. Ich habe jetzt schon keine Lust auf dieses Wochenende!
Zu viel von allem
So oder in ähnlicher Weise berichten mir viele Frauen von ihrem Alltag und dem ständigen Gefühl des Überladen-Seins. Dem Gefühl, nicht mehr alles zu schaffen, Wichtiges zu vergessen - die Verantwortung nicht mehr tragen zu können. Oft haben sie den Eindruck, mit all den Planungen rund um Familie und Alltag allein zu stehen. Gehetzt von Arbeit, Familien- und Alltagsaufgaben droht manchmal die Last auf ihren Schultern zu groß zu werden. In den verschiedensten Rollen (z.B. als Ehefrau/Partnerin, Mutter, Tochter, Tante, Kollegin, Freundin, Helferin u.v.m.) jongliert die "Frau von heute" ihre To-Dos und versucht allen Ansprüchen gerecht zu werden. Aber - über wessen Ansprüche sprechen wir hier eigentlich? Sind es immer die Kinder, der Ehemann, die beste Freundin, die von uns erwarten, dass wir stets parat stehen, Zeit haben und für sie da sind? Und, wenn dem so ist - warum erwarten sie das? Warum übernehmen viele Männer im Familienmanagement unserer modernen Welt noch immer nicht gleichrangig Verantwortung für Kinder und Alltagsorganisation?
Es ist nicht Ziel dieses Beitrags und würde ihn bei Weitem sprengen, die gesellschaftlichen Hintergründe, die Ursprünge im Patriarchat oder die Mechanismen sozialen Lernens tiefer zu beleuchten. Dennoch kann wohl gesagt werden, dass Frauen aufgrund dieser vielschichtigen Prozesse sozial für die Fürsorge in verschiedensten Bereichen, insbesondere für die Familie, in Verantwortung genommen wurden und werden, während Männer häufiger so sozialisiert wurden, sich an Fürsorge zu beteiligen, ohne dafür die Gesamtverantwortung zu tragen.
Wenn nun Frauen in ihrer Situation zu mir in die Beratung kommen, sagen sie, sie haben schon alles probiert. Sie haben mit ihren Partnern die Situation besprochen und erklärt, dass sie nicht mehr können. Sie haben ihnen gesagt, dass sie mehr zu Hause übernehmen sollen. Doch dies, so berichten mir viele, habe nur dazu geführt, dass der Partner von ihnen eine Aufgabenliste erwarte, die er abarbeiten kann. Das löse das Problem nicht, denn das An-alles-alleine-Denken höre so ja nicht auf. Andere Frauen beschreiben, sie hätten einfach die Wäsche liegen lassen, bis keine mehr im Schrank gewesen sei. Oder sie hätten sogar keine Geburtstagsgeschenke besorgt - bis der große Tag in einer Katastrophe und in Tränen geendet hätte. Das alles führte zu Frust, Enttäuschung, ausgesprochenen oder unausgesprochenen Vorwürfen und nicht zuletzt zu wenig Veränderung auf Dauer, da die Frauen meist das Ruder wieder in die Hände nahmen, sobald die gewünschten Effekte ausblieben oder nicht den Erwartungen entsprachen.
Einfach aus erlernten Rollenbildern aussteigen?
Was hilft also effektiv, um sich dem Thema lösungsorientiert zu nähern?
In der Familienberatung kann ein wichtiger Ansatz sein, sich bewusst zu machen, dass wir das Verhalten anderer Menschen nicht direkt verändern oder kontrollieren können. Veränderung kann immer dort beginnen, wo wir selbst Einfluss haben: bei unseren Erwartungen, Grenzen und Verhaltensweisen. Wenn wir uns unseren eigenen inneren Glaubenssätzen zuwenden und erkennen, warum wir bestimmte Dinge so und nicht anders machen oder auch von anderen erwarten, können wir auch neue Überzeugungen und Leitlinien in uns etablieren und so zulassen, dass neue Wege ausprobiert werden. So wird es eventuell möglich, dass wir unseren Partnern mehr Raum geben, Verantwortung zu übernehmen; ihm zuzutrauen, die Dinge auch gut regeln und alles selbst bedenken zu können, was dafür nötig ist - der Haken? Die Voraussetzung ist, dass er hierfür Bereitschaft erklärt und das Problem verstanden hat. Denn als Frau nur die eigenen Veränderungsmöglichkeiten zu betrachten, bedeutet natürlich nicht, die strukturelle oder partnerschaftliche Verantwortung des anderen zu übernehmen. Und mit dem Zulassen und dem Aushalten anderer, für uns vielleicht auch ungewöhnlicherer Wege allein ist es eben manchmal nicht getan. Wenn dennoch beim Partner keine Übernahme bestimmter Aufgaben stattfindet, wenn wichtige Dinge in seiner Verantwortung immer wieder liegen bleiben oder tatsächlich in einem für die Kinder nachteiligen Maße vernachlässigt werden, dann kann es helfen, mit ihm gemeinsam konkrete To-dos zu besprechen, auszuhandeln und zu entwickeln. Welche Dinge sollten aus Ihrer beider Sicht unbedingt in einer bestimmten Weise gemacht werden und welche können vielleicht auch auf unterschiedliche Art erledigt oder auch mal vernachlässigt werden? Hier empfehlen sich Listen und Arbeitspläne, die Orientierung bieten. Verschiedene Ansichten darüber, was wichtig ist und was nicht, dürfen bestehen, müssen aber respektvoll miteinander abgeglichen werden. Auch die Etablierung regelmäßiger fester "Termine" auf Paarebene, z.B. immer zur gleichen Uhrzeit sonntagabends zur Besprechung der Familienaufgaben für die kommende Woche hat sich bewährt. Benötigen Paare Hilfe dabei, gemeinsame Werte und Festlegungen auszuhandeln und zu definieren, können Beratungsstellen oder Online-Beratungsangebote Unterstützung bieten.
Kommunikationsmuster erkennen und durchbrechen
In einer Onlineberatungssitzung für Paare können konkrete Übungen dabei helfen, dysfunktionale Kommunikationsmuster für die notwendigen Veränderungsprozesse in Ihrer Beziehung zu erkennen und aufzulösen. Ich-Botschaften ersetzen Vorwürfe und lassen Raum zum Zuhören und Verstehen. Sprechen Sie zunächst nur über Ihre Eindrücke und Gefühle, lassen Sie Ihrem Partner die Möglichkeit, sachlich zu reagieren und vorschnelle ablehnende Reaktionen zu vermeiden. Alle Erkenntnisse nützen nichts, wenn man sie seinem Gegenüber nicht auf Augenhöhe vermitteln kann oder wenn Frust, Ärger, Wut oder Verletzung eine sachliche Problemlösung überlagern und verhindern. Häufig endet Kommunikation dann im Nichtkommunizieren und die Beziehung scheitert, weil sich beide Seiten unverstanden fühlen. Die Frau, weil er "einfach nichts verändert" und sie ihm alles "immer" sagen muss. Der Mann, weil er ihr einfach "nichts recht machen" kann, obwohl er den ganzen Tag nicht still steht. Erst nachdem erste Veränderungen hinsichtlich der Entlastung und Verantwortungsverteilung vereinbart und umgesetzt wurden - auch hinsichtlich wechselseitiger Gesprächsführung - bietet es sich unbedingt an, die Pflege der Paarbeziehung in den Blick zu nehmen. Die Planung gezielter und regelmäßiger "Dates" der Partner miteinander (ohne die Kinder!) kann wichtig sein, um aus dem ständigen Kreisen um anstrengende Themen und Probleme regelmäßig aussteigen zu können und den Blick füreinander nicht zu verlieren oder wieder neu kennenzulernen. Nutzen Sie bei Bedarf Beratungsmöglichkeiten, gerne auch online, um hierfür neue Ansätze auszuprobieren, die vielen "Abers" und "Wenns" aus dem Kopf und Alltag zu verbannen und sich bei einer zufriedeneren Lebensführung Unterstützung zu holen.
Beratung nutzen
Sie sind nicht allein mit Ihrem Problem und es muss nicht erst noch schlimmer werden! Wenn Sie sich in den beschriebenen Situationen wiedererkennen und merken, dass Sie allein nicht weiterkommen, kann es hilfreich sein, sich Unterstützung zu holen. Schaffen Sie es, aus dem Kreislauf der mentalen Überladung auszusteigen und entlastet zu werden - ohne dass Sie an schlechtem Gewissen leiden und ohne, dass Ihre Beziehung hierfür scheitern muss. In meiner Onlineberatung können wir gemeinsam betrachten, welche Muster sich in Ihrem Alltag und Ihrer Beziehung entwickelt haben, wo Veränderungen möglich sind und welche konkreten Schritte Ihnen helfen können, wieder mehr Entlastung und Zufriedenheit zu erleben. Wenn Sie das Gefühl haben, dass dieses Thema Sie schon lange begleitet oder Ihre Beziehung / Familie zunehmend belastet, können Sie gern ein unverbindliches Erstgespräch mit mir vereinbaren.