Getrennte Eltern - gemeinsame Kinder. Wie die Kommunikation nach einer Trennung wieder gelingen kann.

Veröffentlicht am 27. August 2026 um 22:45

Endet eine Beziehung, so beginnt für viele Paare eine schmerzvolle Zeit für beide oder einen der Partner. Verletzungen, Enttäuschungen, Gefühle von Wut, Trauer oder sogar Hass können auftreten. Spricht eine Seite die endgültige Trennungsabsicht aus, ist häufig im Vorfeld ein längerer Prozess der Ablösung (der innerlichen Trennung) bereits erfolgt, der Trauerprozess um die gescheiterte Beziehung schon vorangeschritten. Der verlassene Partner jedoch steht manchmal erst ganz am Anfang einer Zeit der Bewältigung des Verlusts und der Verarbeitung des Beziehungs-Aus. Für einige Menschen bedeutet eine überraschende oder sehr schmerzhafte, vielleicht auch einseitig gewollte Trennung eine tiefe Lebenskrise - für einige sogar mit einer ähnlichen Intensität wie der Verlust eines geliebten Menschen durch einen plötzlichen Tod. Die Partnerschaft ist beendet - die Elternschaft nicht. Obwohl Abstand gewünscht wird, muss miteinander über das Verbindende gesprochen werden: die Kinder. Wie aber gelingt es, gute gemeinsame Entscheidungen zu treffen, ohne dass genau diese in dieser turbulenten Zeit zwischen verletzten oder belasteten Eltern zerrieben werden?

Kommunikation zunächst reduzieren

In der Trennungsphase geschehene emotionale Verletzungen wirken häufig lange nach und eine sachliche Kommunikation miteinander fällt oft schwer. Vom Gefühl, den anderen am liebsten nie mehr sehen oder sprechen zu müssen bis hin zum Wunsch, mit dem Expartner noch täglich sprechen oder Erklärungen erhalten zu wollen - die Bandbreite der emotionalen Achterbahn reicht hier weit. Dennoch müssen Absprachen miteinander getroffen werden, z.B. darüber, wo die Kinder künftig leben sollen, welches Umgangsmodell gewählt wird und wie die Finanzierung des Unterhalts erfolgen kann. Solch schwerwiegende Entscheidungen für die Zukunft der Kinder zu treffen, fällt kurz nach einer krisenhaften Trennung oft sehr schwer. Eine sachliche Diskussion wird häufig von der Verletzung mindestens einer Seite überlagert. Die Fronten verhärten sich zunehmend, die Kinder leiden unter schlechten oder nicht gefundenen Kompromissen. In der Familien- bzw. Trennungsberatung direkt oder sehr schnell nach einer erfolgten Trennung bietet es sich demnach an, zunächst einige wichtige Eckpunkte mit klaren Gesprächsstrukturen und bei Bedarf mit fachlicher Anleitung zu klären und diese zu einem späteren Zeitpunkt zu überprüfen. Außerdem empfiehlt es sich, die wechselseitige Kommunikation über WhatsApp und Co. zu reduzieren oder zeitweise auszusetzen, wenn dies aktuell zu massivem gegenseitigen Vorwurfsaustausch führen sollte. Die Möglichkeit, sich mit Hilfe von Chatnachrichten wechselseitig sehr schnell und häufig Vorhaltungen zu machen, erschwert eine Deeskalation deutlich und trägt nicht dazu bei, im Sinne der Kinder wieder in eine Sachlichkeit miteinander zu gelangen. Kommt es zwischen den Expartnern zu bewussten Grenzverletzungen, z.B. durch Beleidigungen im Chat oder Anschreien, bleibt zunächst nur das konsequente Blocken des Kontaktes im mobilen Bereich oder sogar die zwischenzeitliche Vermeidung persönlicher Treffen. Eine Möglichkeit der Kontaktaufnahme zur Klärung wichtiger Belange der Kinder sollte, wenn möglich, weiter angeboten werden und könnte beispielsweise vorerst in Form von Brief- oder E-Mailaustausch erfolgen.

Neue Sprache entwickeln  

Ist es Eltern gelungen, nach der vielleicht krisenhaften oder konfliktbehafteten Phase der Trennung einigen Abstand voneinander, zumindest auf emotionaler Ebene, zu finden, sind Gespräche über die gemeinsamen Kinder und die eventuell verschiedenen Standpunkte zur weiteren Versorgung, Erziehung und Verantwortung für diese wieder besser möglich. Doch gehen die Ansichten stark auseinander und drohen beispielsweise familiengerichtliche Auseinandersetzungen, bietet es sich an, sich Hilfe, z.B. in Form einer Mediation oder Online-Trennungsberatung einzuholen. In gemeinsamen Treffen werden klare Zielstellungen des Gesprächs festgelegt und Kommunikationsregeln bestimmt, die die Erarbeitung der Ziele ermöglichen sollen. Droht die Beratung immer wieder unsachlich zu werden, weil beispielsweise schwere Vorwürfe hin und hergereicht werden, so kann es sinnvoll sein, zunächst die Verletzung als vorrangige Gesprächsstörung aufzugreifen und zu bearbeiten. Manchmal müssen schwerwiegende Lasten (Gesagtes, verletzende Handlungen etc.) zunächst einmal angesprochen werden. Vielleicht ist sogar eine Entschuldigung möglich oder nötig, um danach wieder auf Augenhöhe miteinander sprechen zu können. Die Erarbeitung einer tragfähigen Regelung der Umgänge der Kinder und die Ausgestaltung des neuen Alltages der nun getrenntlebenden Familie stellt die wichtigste Aufgabe und gleichzeitig auch Herausforderung der Eltern für ihre gemeinsamen Kinder dar. Gespräche, die solche Themen betreffen, sollten grundsätzlich von dem Wissen getragen sein, dass die Kinder auf gute Entscheidungen ihrer Eltern angewiesen sind und stark darauf blicken, dass ihre Mutter und ihr Vater sich gegenseitig noch achten können - wenn sie sich schon nicht mehr lieben. Den anderen Elternteil massiv abzulehnen, würde schließlich auch bedeuten, einen Teil des Kindes selbst abzulehnen. Eine Erfahrung, die viele Kinder, deren Eltern nach der Trennung keinen guten Weg mehr miteinander finden konnten, sehr prägt. Der Weg zu einer (wieder) gelingenden Kommunikation kann steinig und anstrengend sein. Manche Eltern müssen zunächst überhaupt eine vernünftige Kommunikation miteinander oder eine ganz neue Sprache miteinander erlernen. Manche Kinder erleben ihre Eltern erstmals nach einer erfolgten Trennung gemeinsam entscheidungs- und absprachefähig, wenn die Gefühle und gegenseitigen Erwartungshaltungen auf der Paarebene geklärt und verarbeitet sind.

Brauchen Sie nach einer turbulenten Trennung Rat und Unterstützung, um neue Wege der Kommunikation miteinander zu finden und als Eltern für Ihre Kinder wieder gemeinsam Verantwortung tragen zu können, melden Sie sich gern in meiner Online-Beratung.